Bilanzierung: Aufgabe des subjektiven Fehlerbegriffs

Der Große Senat des Bundesfinanzhofs hat entschieden, dass das Finanzamt im Rahmen der ertragsteuerrechtlichen Gewinnermittlung auch dann nicht an die rechtliche Beurteilung gebunden ist, die der vom Steuerpflichtigen aufgestellten Bilanz (und deren einzelnen Ansätzen) zugrunde liegt, wenn diese Beurteilung aus Sicht eines ordentlichen und gewissenhaften Kaufmanns im Zeitpunkt der Bilanzaufstellung vertretbar war.
Das gilt gleichermaßen für eine in diesem Zeitpunkt von Verwaltung und Rechtsprechung praktizierte, später aber geänderte Rechtsauffassung. Finanzverwaltung und Gerichte seien aus verfassungsrechtlichen Gründen verpflichtet, ihrer Entscheidung die objektiv richtige Rechtslage zugrunde zu legen.
Nach bisheriger BFH-Rechtsprechung galt hinsichtlich der Beurteilung von Rechtsfragen ein subjektiver Maßstab: War die einer Bilanz oder einem Bilanzansatz zugrunde liegende rechtliche Beurteilung im Zeitpunkt der Bilanzaufstellung aus Sicht eines ordentlichen und gewissenhaften Kaufmanns vertretbar, war das Finanzamt hieran auch dann gebunden, wenn diese Beurteilung objektiv fehlerhaft war.
Bundesfinanzhof, Beschluss vom 31.01.2013, GrS 1/10, veröffentlicht am 27.3.2013

http://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=pm&D…

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